Die Ebene 61


Jetzt wird sich die Leserin sicher fragen: Warum muss ich diesen Nichts sagenden Dialog ertragen? Nun es geht darum, zu zeigen, wie unterschiedlich Sylvia und ich die Welt wahrnehmen. Schließlich hat sie mir im Schwimmbad zugeraunt, dass Ben interessante Dinge in Erfahrung gebracht habe. Das klang sehr überzeugend und ich muss zugeben, dass sogar ich ein wenig neugierig  war, zu erfahren, was Ben so alles weiß. Natürlich hat mich meine Eifersucht davor bewahrt, allzu wissbegierig zu sein. Zu sehr schreckte mich das Bild eines Geheimnisse ausplaudernden 1. Offiziers auf Sylvias Bettkante ab. Jetzt komm ich mir vor, wie ein Idiot und frage mich ob Sylvia wirklich so smart ist, wie ich immer denke. Denn, dass der ganze Quatsch hier abgezogen wird, damit irgendein Idiot oder Idiotenhaufen besser da steht als der Rest, war für mich immer so klar wie Kloßbrühe. Jeder, der also überrascht ist, dass die Militärs ihre Finger im Spiel haben, ist für mich ein Trottel. Sylvia zum Beispiel. Es ist zum Kotzen. Was soll ich nur machen? Einschlafen. Zum Beispiel. Ich träume von einer friedlichen Welt, in der die Panzer rosa angemalt sind und Blumen verschießen. Als eine ältere Dame von Geranien getroffen zu Boden sinkt und jemand verzweifelt versucht sie wieder zu beleben wache ich auf. Die Panzerbesatzung hätte vielleicht Tulpen nehmen sollen? Geht es mir noch durch den Kopf. Danach bin ich erst mal wach. Mir gehen eine Reihe Fragen durch den Kopf, die ich bald beantwortet haben möchte.

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Die Ebene 60


„Viel kann ich dir nicht erzählen, aber ein bisschen was geht. Du denkst doch sicher, das hier ist eine reine Forschungsreise.“

Um ehrlich zu sein, mir war das immer Scheiß egal. Trotzdem frage ich brav

„Na ja weit gehend schon oder?“:

„Nö! Das ist rein militärisch. Alles was wir hier erforschen geht zwar auch an die Regierungen, aber das Militär ist immer dazwischen geschaltet. Schließlich organisieren die ja auch dir Reise.“

Forschung hilft dem Militär. Militär hilft der Forschung. So ist das nun mal. Leonardo Da Vinci hat auch schicke Waffen konstruiert. Ben zu liebe bleibe ich neugierig:

„Ja und was bedeutet das?“

„Da kannst du dir ja mal selbst einen Reim draus machen. Eins ist klar, wenn sich unsere Generäle da nicht irgendwas erhoffen würden, dann wären wir nicht hier. Und womit können Generäle am besten umgehen?“

Dafür dass Ben selbst beim Militär ist, hat er eine recht liberale Einstellung. Grund genug, nach dem nächsten Knochen zu fragen:

„Du meinst doch nicht, dass die sich so was wie eine Superwaffe erträumen?“

„Keine Ahnung, was die sich erträumen. Auf jeden Fall gehen die davon aus, das alles was wir hier erforschen militärisch nutzbar sein kann.“

Musste Einstein auch schon erfahren. Zum Beispiel.

„Ist Captain Miller deswegen so vorsichtig, was den Umgang mit der Captain Ludmilla und Maria angeht?“

„Kann schon sein, dass die auch ihre Befehle haben. Das müsstest du die fragen; wobei ich nicht glaub, dass die was erzählen.“

Du ja auch nicht, wenn man´s recht betrachtet.

„Und die Deutsche? Sie hat doch jetzt das Kommando bekommen.“

„Keine Ahnung wie sie das geschafft hat. Vielleicht ist sie ja mit unserem Verteidigungsminister ins Bett gesprungen!“ hier grinst Ben fröhlich..

Ich grinse zurück. Leicht säuerlich. Dass Tausendschönchen alles tun würde, um an ihre Formel zu kommen ist mir schon bewusst. Nur der Verteidigungsminister der USA – denke mal, dass Ben den meint – ist eine ziemliche Quoddel.

Wie sie dazu gekommen ist, interessiert mich nicht so sehr, wie die Konsequenzen, die das für uns hat.“

„Kann ich auch nur raten“

Na das war ja wirklich ergiebig.

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Die Ebene 59


„Doc du Spast! Was hast du dir dabei gedacht?“

Es ist das erste Mal, dass ich Ben in Rage erlebe. Zum Glück ist er immer noch in seinen Tank eingesperrt. Das dämpft.

Ben, ich hab´s dir doch erklärt und von mir aus kannst du mich vor ein Kriegsgericht schleppen  oder wegen Kurpfuscherei anklagen. Aber jetzt kann ich auch nicht mehr sagen, als dass es mir Leid tut.“ tut es mir wirklich.

Ben stiert mich an.

„Kann man es wieder rückgängig machen?“

Willst du noch mal in den Ablationszylinder? Nein! Vielleicht kannst du etwas abnehmen und auch die Muskelmasse reduzieren. Aber an dem Körperbau würde ich nicht ran. Du hast schon Glück, dass das überhaupt funktioniert hat. Morgen kannst du raus und dann schaun wir, was geht.“

„Bravo! Klasse Plan! Das erste was gehen wird, werden deine Eier sein!“

„Hei die haben damit gar nichts zu tun!“

versuche ich das Gespräch in seichteres Fahrwasser zu lenken.,

„Außerdem, so schlecht stehst du gar nicht da. Immerhin bist du jetzt eine richtige Kampfmaschine. Dass es dir nicht gefällt, macht dich nur sympathischer!“

„Doc du bist ein blöder Wichser. Hör bitte auf mich zu verarschen und hol mich aus dem Scheiß Tank raus.“

Auch wenn Ben ziemlich sauer ist, wunder ich mich doch, wie gefasst er alles aufnimmt. Habe sogar das Gefühl, dass er seinen neuen Körper ganz witzig findet.

„Ben, gerne! Aber das ist erst mal verschoben. Ich will sicher sein, dass du stabil bist.“

Ben schaut mich mit zugekniffenen Augen an. Anscheinend verdaut er t grade die neuesten Erkenntnisse. Auf jeden Fall ist er still. Um ihn abzulenken, frage ich, was er über unsere Mission weiß.

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Die Ebene 58


Etwa drei Stunden später besuche ich Ben, Auf dem Monitor leuchtet mich der Scan von Bens neuem Körper an. Bin doch etwas überrascht. Es fehlt nur noch die grüne Farbe und ich hätte Hulk persönlich vor mir. Verdammter Mist, warum hat das keiner gemerkt? Ich rufe Maria zu mir.

Sag mal, ist dir nichts aufgefallen?“

„Als ich zuletzt nachgeschaut habe und das ist grade mal sechs Stunden her, war alles normal. Außerdem wird er die ganze Zeit überwacht.“

„Wenn er vor sechs Stunden normal war, dann ist das hier,“ ich zeige auf den Bildschirm, der Bens Körper darstellt„ in den letzten Stunden entstanden.“

Bei dem Gedanken, dass Ben in dem Tempo weiter wächst, wird mir ein bisschen schummrig. Keine fünf Minuten später sind wir vollgedröhnt und werkeln an Ben und der Apparatur rum. Den Wachstumsprozess zu beenden ist nicht so einfach. Wir müssen eine ganze Reihe zellulärer Wirkstoffkaskaden anstoßen und kontrollieren. Warum das Wachstum erst vor ein paar Sunden so massiv eingesetzt hat, werde ich später überprüfen müssen. Kann mir nicht vorstellen, dass ich das so geplant habe. Wenn doch, dann müsste es eine Aufzeichnung dazu geben, denn ich dokumentiere jeden meiner Handgriffe. Wenn ich nichts damit zu tun habe, dann hat irgendjemand anderes die Finger im Spiel. Nur ergibt das Sinn? Statt weiter darüber nachzudenken konzentriere ich mich wieder auf meine Arbeit. Zum Glück pennt Ben. Möchte nicht hören, was er zu seinem neuen Körper sagt.

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Die Ebene 57


Acht Tage sind seit meiner kalten Dusche vergangen. Da hab ich eine Menge verpasst. Auch gut. Der Antrieb sollte in Ordnung sein. Vielleicht haben sie sogar ihre vermaledeite Weltformel gefunden und Ben ist fertig. Ben! Ich erkundige mich:

„Was ist mit Ben? Wie geht’´s ihm?“

„Ben schläft. Er ist eigentlich seit Tagen fertig und wir wollten ihn schon aus der Nährlösung entlassen. Doch dann haben wir doch Schiss bekommen. Wie gesagt, ich bin keine echte Medizinerin und da wollte ich ein bisschen Zeit schinden. Auch Ben war der Gedanke dann nicht mehr geheuer und wir haben uns für einen künstlichen Schlaf entschieden. Nach allem was ich gefunden habe, war es das Beste für ihn.“

Wenn ich nicht ein bisschen zu ehrgeizig gewesen wäre. Anscheinend haben sie von meinem kleinen Experiment nichts mitbekommen oder es nicht kapiert. Fakt ist, dass Ben auch im Schlaf weiter wachsen wird. Wenn er Pech hat, sieht er bald aus wie eine Mischung aus Conan der Barbar und dem Michelinmännchen.  

„Da müssen wir uns bald drum kümmern. Sogar sehr bald. Ich hab nämlich einen Fehler bei Ben gemacht…“

und dann sprudelt es aus mir raus. Keine Ahnung, warum?. Ist vielleicht meiner plötzlichen Heilung zu verdanken. Die drei schauen mich etwas verdutzt an, doch anders als ich erwartet habe schimpfen sie nicht.

„Gut, erstmal musst du fit werden, dann kannst du dich um Ben kümmern. Seine Situation ist doch nicht lebensbedrohlich. Oder?“

„Wenn alles so läuft, wie geplant, dann sollte es keine Probleme geben.“

Jetzt wird Sylvia doch ein bisschen giftig.

„Keine Probleme geben? Du spinnst doch! Ich bin sicher, dass Ben das anders sieht.“

Sie anscheinend auch.

„Bin ich mir nicht so sicher,“ gifte ich zurück. „Auf jeden Fall werde ich mich drum kümmern.“

Sylvia blickt mir kurz in die Augen und schiebt ab. Ob sie beleidigt ist, kann ich nicht sagen. Ich schaue auf die Anzeigen. Sieht gar nicht so schlecht aus. Trotzdem muss gecheckt werden, was mit meinem Magen los ist. Ich bitte Maria darum. Schneller als ich erwartet habe gibt sie mir die kleine Sonde. Ich schlucke sie und wir schauen uns die Bilder aus meinem Magen an. Sieht nicht grade gut aus. Werde die nächsten Tage auf feste Nahrung verzichten. Immerhin finden wir nichts, dass mir Angst macht. Ich sage Maria das und wir entscheiden, dass ich mich noch ein paar Minuten ausruhen soll. Dann will ich aufzustehen.

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Die Ebene 56


Ich explodiere. Es riecht wie bei einem Grillabend. Dann schwebe ich. Alles ist weich. Kein Schmerz. Nur Schwerelosigkeit. Nach den Schmerzen ist das mehr als nur eine Erlösung. Ich bin versöhnt. So kann es ewig weitergehen. Tut es natürlich nicht. Ich krache mit voller Wucht auf die Krankenliege. Während ich falle öffne ich die Augen und erkenne Smerg, Maria und Sylvia, die bewundernd meine Flugbahn beobachten. Sie scheinen recht neugierig zu sein, was das Ergebnis meiner Landung sein wird. Fast bin ich versucht ihnen zu winken. Vielleicht mach ich das sogar. Wer weiß. Kurz nach meiner Landung wird es ein bisschen ekelig. Mein Oberkörper bäumt sich auf und ich spei meinen Mageninhalt an die gegenüber liegende Wand. Die Farbe gefällt mir nur mäßig. Immerhin ist das Erbrochene nicht nur rot. Ich falle zurück, drehe mich auf die Seite und versuche am Laken meinen besabberten Mund abzuwischen. Das gelingt nur mäßig, denn das Laken ist recht straff gezogen und ich habe anscheinend nicht genug Kraft. Eine Hand mit Einweghandtuch kommt mir zu Hilfe. Es ist Sylvia.

„Gib mir was zum Mundausspülen.“

Sylvia reicht mir kurz darauf einen Becher. Sie setzt an, was zu sagen, doch ich komm ihr dazwischen.

„Werds schon nicht runterschlucken.“

Das Wasser im Mund tut gut. Ich spucke es mit dem Schleim aus, der mich gestört hat.

„Was war los?“

„Du warst  praktisch tot. Dann haben wir dich anscheinend zurückgeholt mit ein bisschen viel Elektrizität.“

„Hab ich gemerkt.“

 Die Erinnerung an die Schmerzen macht mir kurz Angst. Doch das verfliegt zum Glück schnell. Ich will wissen, was los war.

„Warum war ich gelähmt? Warum war ich fast tot?“

„Gute Frage. Wir wissen es nicht. Woran kannst du dich denn erinnern?“

„Daran, dass ich bewegungslos in der Schwimmbaddusche lag, dass ich unterkühlt war und Maria mich auf die Krankenstation gebracht hat. Dann hab ich noch gehört, wie Miller euch weg gerufen hat und dann bin ich irgendwann eingenickt.“

Ich bin erstaunt, wie gut es mir geht. Könnte zwar keine Bäume ausreißen, aber immerhin war ich eben noch klinisch tot und jetzt quatsche ich hier rum.

„Das war vor gut acht Tagen  Sie wussten nicht, was los ist, nur das du im Koma liegst. Vor gut einer Stunde haben die Geräte dann Alarm geschlagen. Völlig überraschend, den dein Zustand war stabil. Es gab keine Lebenszeichen und da  haben wir mit der Wiederbelebung begonnen. Zum Glück war Smerg dabei. Er ist nicht so zimperlich, wenn es um Wiederbelebung geht wir ich.“

„Hab´s mir bei der Geschichte mit Ben abgeguckt,“ murmelt der Riese.

Maria erzählt weiter: „Ich hab nichts bei dir feststellen können, was als Ursache für dein Koma oder die Lähmung in Frage kommen kann. Kann aber sein, dass ich was übersehen hab. Deshalb wäre es gut, wenn wir das alles noch mal durchspielen und du mir dabei hilfst.“

Wir werden diese wunderbare Idee erst viel später aufgreifen. Zu einem Zeitpunkt, der durchaus als Zu Spät durchgeht.

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Die Ebene 55


Jede Faser meines Körpers platzt. Ich werde mit einem Inferno aus Lichtblitzen, Tritten und Schlägen konfrontiert, dem ich nicht gewachsen bin. Alles was ich wahrnehme ist Schmerz. Omnipotenter, allumfassender Schmerz. Ich habe nur einen Wunsch. Mein Ende. Ich bin bereit, mir den Kopf vom Leib zu reißen, um Ruhe zu finden. Doch ich bin machtlos. Kein Befehlt erreicht meine Glieder. Arme und Hände bleiben stumm. Gedanken sind unformulierbar. Dann ist es vorbei.

„Noch einmal die gleiche Dosis und er ist weg.“

„Puls?“

„Nix!“

„Atem?“

„Nix!“

„Hirn?

„Nix!“

„Dann ist es auch egal.“

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Die Ebene 54


„Ich kann nicht beurteilen, ob du was verstehst, aber trotzdem ist es vielleicht besser, wenn ich dir mal deinen Zustand schildere.“ Marias Stimme lässt mich nicht grade Gutes hoffen. „Ludmilla hat dich in der Dusche gefunden. Du hast da irgendwas zwischen drei und fünf Stunden gelegen. Das heißt: Mindestens drei Stunden kalte Dauerdusche. Eigentlich ein Wunder, dass du noch lebst. Anscheinend bist du in eine Art Apnoe gefallen. Dein Kreislauf war auf jeden Fall total unten. Jetzt ist es besser. Was uns Sorge bereitet, ist, dass du praktisch nicht auf äußere Reize reagierst. Anscheinend bist du vollkommen gelähmt und ich kann noch nicht beurteilen, ob die Ursache eine Blockade in deinem Gehirn ist oder ob du ernsthaft verletzt bist. Denn sicher ist auch, dass du gestürzt bist. Warum? Weiß ich nicht. Aber das werde ich rauskriegen. Muss halt ein bisschen lernen. Denke mal, dass wir in vier Stunden schlauer sind. Bis dahin kann ich nicht viel machen, außer dich stabil zu halten und hoffen, dass sich alles von selbst auflöst.“

Na das hat mich jetzt weiter gebracht. Immerhin ist klar, dass ich fast fünf Stünden in dem kalten Wasser gelegen hab. Hoffe, dass mir das nicht aufs Hirn geschlagen hat. Maria wird das prüfen. Ebenso meinen Nervenverbindungen im Rückgrad. Unwillkürlich versuche ich meine Zehen zu bewegen. Tut sich nichts. Ich kann zumindest nichts spüren. Versuche die Hand. Fehlanzeige. Jetzt die Augen. Auch hier Fehlanzeige. Ich blicke starr an die Decke.

„Hei Maria, wenn du lernst, kannst du dir auch alles über mich rein pfeifen?“ Ben! „Finde Doc zwar ganz nett; hat mir immerhin den Arsch…“ hier stockt er kurz, „also Kopf und Arm gerettet. Aber ich fände es schon anregender, wenn mein neuer Körper von deinen Händen geformt wird. Nichts für Ungut Doc, aber das verstehst du doch! Maria, meinst du er kann mich hören?“

„Hast du nicht zugehört. Ich weiß es nicht. Du stehst auch auf dem Programm. Nur kann ich dir eines versprechen: Besser als er wird ich’s nicht machen können. Im Gegenteil. Ich kann mir zwar das nötige Wissen aneignen. Mir fehlt aber sein Geschick als Chirurg und die ganze Erfahrung.“

„Welche Scheiß Erfahrung? Doc hat die meiste Zeit an Leichen rumgeschnippelt. Aber gut, bin natürlich auch dafür, dass er wieder heil wird. Ist ja ganz in Ordnung der Typ.“

Hätte den Vollidioten doch als Schubkarre weiterleben lassen sollen. Was bildet der sich ein, dass er meint, seine Haltung zu meinem Weiterleben würde irgendjemand interessieren. Obwohl mir Ben gerade gehörig auf meine gelähmten Eier geht, kann ich nicht anders, als über seinen Zustand nachzudenken. Wenn meine Berechnungen stimmen und er die Endphase der Operation oder sollte ich Neugestaltung sagen? heil übersteht, dann haben wir einen echten Killer Cyborg an Bord. Ich konnte nämlich nicht widerstehen und habe hier und da ein paar Verbesserungen eingebaut. Die anderen haben es nicht so richtig gemerkt und ich kann ein recht gedankenloser Mensch sein. Hoffe das war kein Fehler. Auf jeden Fall wird Ben über Wahnsinnskräfte verfügen und nur schwer oder zumindest kaum verwundbar sein. Immerhin war ich klug oder auch zynisch oder arrogant genug, an eine Achillesferse zu denken. Logisch, dass nur ich die kenne. Wenn Maria jetzt an ihm rumpfuscht, dann könnte all das für die Katz gewesen sein. Oder zumindest wird es eine Menge peinlicher Fragen geben. Klar, die würden später auch kommen. Aber solange Ben noch im Tank ist, wird sicher mehr darüber diskutiert werden und da habe ich keine Lust drauf. Wenn er fertig ist und heil bleibt, kann ich mich auf meinen operativen Erfolg berufen. So waren ungefähr meine Gedanken, als ich die Operation leitete. Jetzt, wo ich nicht mehr unter Drogen stehe, fällt es mir schwer meine Überlegungen nachzuvollziehen oder sie gar gut zu heißen. Um ehrlich zu sein, würde ich mich am liebsten verkriechen. Insofern kommt mir mein Wachkoma ganz recht. Soll doch Maria Ben fertig basteln und ich muss mich nicht verantworten. Ein Gedanke, der mir so gut gefällt, dass ich einschlafe.

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Die Ebene 53

Captain Millers Stimme schneidet sich ihren Weg durch das Gequatsche:

„Gibt es irgendeinen Grund, weswegen hier alle blöd rum stehen? Ich will mich ja nicht in die medizinischen Notwendigkeiten einmischen, aber das hier ist kein Lazarettschiff, sondern eine Raumfahrtmission. Ich bitte deshalb alle, die hier nicht benötigt werden, die Station zu verlassen und sich auf die Posten zu begeben.“

Was meint der Trottel mit Posten?

„Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass der Antrieb die nächsten paar Minuten wieder einsetzt. Auch wenn wir anscheinend eine Menge Antriebsspezialisten an Bord haben, wissen wir nicht, wie das Schiff reagiert. Johanson! Vor allem Sie brauche ich im Maschinenraum und Sie Ludmilla begleiten mich bitte auf die Brücke. Ich geh mal davon aus, das Hergensen und unsere neue Kommandantin alleine mit der wissenschaftlichen Apparatur fertig werden.“

Maria, Ben und ich sind kurze Zeit später allein.

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Die Ebene 52


Ein Schatten fällt auf meine Blickfeldkacheln. Anscheinend hat jemand die Dusche betreten. Puuh wurde auch Zeit. Instinktiv versuche ich den Kopf zu drehen. Klappt nicht. Der Schatten wird größer. Warum dreht der Depp nicht die Dusche aus oder wenigstens auf warm. Ich versuche eine Reflexion zu erheischen, die mir sagt, wer es ist. Doch ich kann nur den Schatten sehen. Eine Hand fühlt an meinem Puls. Endlich ist das Wasser aus. Die Person dreht meinen Kopf herum. Es ist Ludmilla. Sie hebt mich vom Boden, als sei ich ein Kleinkind. Dabei wiege ich gut 80 Kilo. Sie spricht kein Wort. Sie legt mich auf die Holzbank im Umkleidebereich und wickelt ein dickes Badetuch um meinen Körper. Soweit ich das beurteilen kann, bin ich vollkommen schlapp. Ohne Spannung. Sie nimmt mich wieder auf. Kurz darauf bin ich in der Krankenstation. Maria und Smerg schauen auf mich herab. Ich höre, wie sie meinen Zustand diskutieren. Wenigstens haben sie erkannt, dass mir kalt ist. Mein Bett ist beheizt und ich spüre, wie mir langsam wärmer wird. Eine Infusion stabilisiert meinen Kreislauf. Am Geräusch der Technik an die ich angeschlossen bin erkenne ich, dass es nicht allzu schlimm um mich steht. Warum ich allerdings gelähmt bin bleibt erst mal ein Rätsel. Maria macht sich anscheinend gerade schlau. Smerg redet auf mich ein. Ich versuche ihm mit meinen Augen zu signalisieren, dass ich ihn verstehe. Von nebenan höre ich Ben:

„Sacht mal, was ist denn mit Doc los? Der sollte jetzt nicht auch noch ausfallen!“

Warum der wach ist, ist mir ein Rätsel. Hoffe da ist alles gut. Maria sollte eigentlich dafür sorgen. Aber jetzt ist sie mit mir beschäftigt.

Tja im Moment wissen wir nur, dass der einzige echte Mediziner an Bord unterkühlt ist und vollkommen gelähmt.  Die Augen blicken starr, scheinen aber zu funktionieren. Zumindest sieht es ein bisschen so aus.“

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