Die Ebene: 8

Däne, Schwede und Inder beugen sich über die junge Wissenschaftlerin und bemühen sich ein kundiges Gesicht zu zeigen. Gebannt lauschen sie ihren Ausführungen:

„Beta-Ceeman im Gravtiationsumkehrfeld von Ignis-Sigirl. Das ist der Beweis. Ein holografisches Universum. Der Anti-De-Sitter-Raum ist bewiesen, gleichzeitig Beleg des De-Sitter-Raums wahrscheinlich. Raumzeit hat Quantecharakter – Dunklen Energie wirkt sowohl anziehend, als auch abstoßend. Der hyperbolische Raum ist damit augenscheinlich widerlegt. Expansion des Universums kann mit dem Phänomen nicht in Einklang stehen. Randall-Sundrum-Modelle müssen Paradox ausräumen....“

Während die drei Forscher ihre wissenden Mienen tapfer beibehalten und ab und an ein wissendes Raunen oder einen anerkennendes Pfeifen von sich geben, habe ich auf Durchzug geschaltet. Werde mir nachher einen von ihnen schnappen und um Übersetzung bitten. Mein Augenmerk gilt Sylvia. Sie hat sich zurückgezogen. Nur noch Captain Miller steht etwas hilflos da und scheint zu überlegen, was die Szene für seine Autorität bedeutet. Seine Augen schweifen durch den Raum und fixieren mich.

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Die Geschichte eines Kriegers: 2. Vaduta

Vaduta ist die letzte der 37 Kriegerinnen. Bis zu letzt stand sie an meiner Seite, addierte und massakrierte. Das verbindet, auch wenn sie mit Abstand die hässlichste meiner Begleiterinnen ist. Ihre Nase ragt sogar noch über ihren schmalen, missmutigen Mund hinaus; die Ohren stehen wie bei einem Elefanten mit Rückenwind weit ab. Sicher hat dieser Anblick so manchem Feind die entscheidenden Sekundenbruchteile gekostet, die Vaduta dann eiskalt für den tödlichen Hieb nutzte.

– Hei du Sohn einer Verschmähten! Geht’s auch noch ein bisschen schneller. Ich habe Hunger und Durst und diese Frucht des Teufels tritt mir die Eingeweide platt!

Womit dann auch die zweite Frage beantwortet wäre. Vaduta ist hochschwanger. Wer sie schwängerte ist natürlich eine interessante Frage, aber hier nur von akademischem Wert. Ihr glaubt sicher bei Vadutas Aussehen wird der Kreis der Samenspender nicht so groß sein. Doch getäuscht. In jenen Kriegszeiten war es üblich, dass die Sieger die Besiegten nicht nur mordeten sondern auch vergewaltigten. Vaduta hatte von meinen Begleiterinnen den größten Bedarf nach geschlechtlicher Zuwendung. Sehr zum Leidwesen der Geschlagenen. Denen ging es nicht anders als mir. Ihr erinnert euch an meine Zeilen zu Beginn. Was mir damals in der Theorie schon unmöglich erschien, war in der Praxis noch schwieriger durchzusetzen.

– Pass doch auf! Fast hättest du mein Pferd umgeritten!

Woher sie das nimmt ist mir ein Rätsel. Wir haben mindestens zehn Fuß Abstand.

Na jedenfalls bedeutete das für die Ärmsten – sollten sie auf der Bettstätte versagen – den sicheren Tod durch Verbluten. Vaduta verstand in solchen Dingen keinen Spaß und was sie den Kostverächtern antat kann ich an dieser Stelle nicht beschreiben. Ihr würdet meinen Bericht schnell als die phantastischen Ausgeburten eines Schandtäters abtun. Doch andere waren nicht so zurückhaltend wie ich und schnell machte sich die Kunde von Vadutas Begehren und deren Folgen für die Betroffenen unter den Kriegern breit, die gegen uns in die Schlacht zogen. Viele von ihnen zogen den Tod auf dem Schlachtfeld der erotischen Aufgabe vor. Trotz all dem kam es vor, dass Vaduta mit einem Liebhaber Gnade walten ließ. Dann nämlich, wenn er es schaffte ihrer Wollust Befriedigung zu verschaffen. Ihr Großmut kannte dann keine Grenzen. Ausgestattet mit Pferd, Waffen und großen Anteilen der Kriegsbeute verließen die erfolgreichen Begatter das Lager. Nur um wenig später von den eigenen Leuten zu Tode gefoltert zu werden. Habe die Logik dahinter nie begriffen. Aber das war ja auch gut so. Je fremder der Feind umso besser für den Kampf. Die anderen 36 Grazien eiferten Vaduta übrigens nach und schon bald waren wir die gefürchtetste Abteilung des vereinten Heeres.

– Hilf mir runter, du alter Versager, ich muss pissen! Wenn du glotzt reiß ich dir die Eier raus!

Bevor ich überhaupt reagieren kann, landet Vaduta mit einem kräftigen Schwung auf dem Wüstenboden. Ihre Plattfüße wirbeln genug Staub auf, um ein Heer zu versenken und sie verschwindet in dem selbst geschaffenen Dunst. Während ich mich zur Sicherheit meiner Eier in die andere Richtung wende, überkommt mich Übelkeit, denn in meiner Erinnerung lastet ein dunkler Fleck. Wie es so üblich ist bei Feldzügen dieser Art, wurde nicht nur gekämpft, sondern anschleißend auch ausgiebig gefeiert. Das endete dann immer in einem schweren Rausch und nicht selten in hemmungslosen Orgien bei denen wir übereinander herfielen, um uns der aufgestauten Säfte zu entledigen. Als Anführer unserer Truppe übte ich mich meist in Zurückhaltung. Doch auch ich bin nur ein Mensch aus Fleisch und Blut. Angestachelt von dem Gebräu aus berauschenden Pilzen überkam mich ein einziges Mal die Wolllust und ich mischte kräftig mit. Ob ich dabei im Schoß Vadutas landete? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall könnte es sein, dass meine Saat in ihrem Bauch gedeiht. Was bedeuten würde, dass sie nun mein Weib werden wird. So will es der Brauch unseres Volkes.

….. wird fortgesetzt

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Die Ebene: 7

Ben der 1. Offizier ist der einzige, der ein Wort rauskriegt:

Verflucht!

Den Tritt in die Eier hat er gut überwunden. Soweit ich das mitbekommen habe, hat er mittlerweile die Ersatzcrew flach gelegt. Man bekommt an Bord so einiges mit. Auch wenn es einen nicht interessiert. Ben ist noch beschränkter als sein Captain. Er ist knapp 1,90 groß und erinnert an den jungen Georg Clooney. Während seiner Ausbildung war er mit einer jungen Südstaatlerin liiert. Die beiden waren so was wie das Traumpaar der Airbase. Auf jeden Fall schien es irgendwann bei ihnen im Bett nicht mehr so recht zu klappen. Ben, der über keinerlei Talente verfügt, aber ausgesprochen zäh und fleißig ist, zog die Konsequenz:

„Liebling, ich werde hart trainieren, damit ich dir gerecht werde.“ – oder so, vermute bei Ben war kein Komma im Satz.

Ben setzte sein Vorhaben in die Tat um. Hadern ist für ihn ein Begriff aus einer anderen Galaxie. Binnen sieben Monaten hatte er mit jeder Frau im Umkreis von 30 Meilen geschlafen. So geht zumindest die Mär, auch hier vermute ich, dass nicht alles ganz wahr ist. Seine Südstaatlerin dankte ihm diesen Einsatz auf ihre Weise. Das Traumpaar wurde Vergangenheit. Ben, seines Ziels beraubt, beschränkte sich jetzt nicht mehr auf die 30-Meilen Zone. Alles was einen Rock tragen konnte, landete früher oder später in seinem Bett. So auch die Ersatzcrew. Die Russin Captain Ludmilla und die Italienerin Maria sind keineswegs Traumfrauen, aber sie haben ihre Reize. Jetzt blicken sie verwirrt auf ihren Bettgenossen. Ich sehe Maria an, dass sie losplappern will. Doch sie hält standesgemäß den Mund und überlässt Ludmilla das Reden.

„Wir gehen jetzt besser an die Arbeit,“ haucht sie mit unverkennbarem Akzent.

Ich schreibe haucht, doch das trifft nicht ganz den Punkt. Sie spricht leise, flüstert fast, aber das mit solcher Energie, dass keiner wagt, zu widersprechen. Für einen Augenblick scheint es, als sei sie der eigentlich Chef an Bord.

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Die Ebene: 6

Der große Däne fährt in meine erfolglosen Gedanken:

„Wisst ihr, bei uns in Dänemark, also genauer gesagt in Nordjytland, also dem Dänemark, dass von sich und von dem alle Dänen, die Ahnung haben behaupten, es sei das richtige Dänemark, auch wenn die Flachköpfe aus Midjytland oder die Fischfresser aus Sjaelland, der Meinung sind, sie seien die wahren Dänen, was völliger Quatsch ist, denn König Sven Gabelbart hat 993 n. Chr. in seiner für die damaligen Verhältnisse ausgesprochen fortschrittlichen Bulle erklärt, dass wenn ein Däne nicht aus Nordjytland stamme, er auch nicht das Recht habe, unter seiner Herrschaft oder der Herrschaft seiner Nachkommen zu behaupten er sei Däne, machen wir die Spiegeleier so, dass das Eigelb nur an einer Ecke zerläuft, also so!“

Er zeigt es, in dem er mit seinen riesigen Händen auf der Fensterscheibe rumschmiert. Damit wir besser erkennen, was er meint, spuckt er kurz auf die Glasfläche und verreibt den Speichel von einem der Sterne ausgehend nach außen.

„Das sieht dann so aus, wie Nordjytland, versteht ihr und wenn dann das flüssige Eigelb den noch warmen Toast erreicht und sich mit der Butter, es muss dänische Butter sein, das ist wichtig, aber nicht aus Sjaelland, die schmeckt nach Fisch, dann musst du es mit der Hand nehmen, nicht mit Messer und Gabel, das machen Barbaren, und es so zusammenklappen.“

Hier greift er sich eines der Laptops, die die junge Wissenschaftlerin brabbelnd vor sich geschart hat, klappt es mit einer seiner riesigen Pranken zusammen und deutet an, wie man rein beißt.

„Lecker“

Er strahlt über beide Backen und ich weiß, warum er sonst den Mund hält.

„Petersilie braucht man keine.“

Dafür möchte ich ihn am liebsten umarmen. Alles lacht. Der Schnaps kreist und wir hätten fast angefangen zu tanzen, wenn da nicht die junge Wissenschaftlerin wäre. Ihr ist der Laptopraub nicht entgangen. Sie reißt dem Riesen mit einer blitzschnellen Bewegung den Rechner aus den Händen. Wie sie es schafft, dabei weiterzubrabbeln und ihre Monitore im Auge zu behalten ist mir ein Rätsel. Werde ihr in Zukunft besser aus dem Weg gehen.

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Die Ebene: 5

Deswegen sind wir hier und starren aus dem Fenster. Die beiden Sterne haben ihre Position nicht verändert. Sie sind es auch nicht, was uns wie blöde glotzen lässt. Es ist der Raum zwischen den beiden Sternen. Es wäre vermessen, würde ich behaupten, ich könne die Erscheinung hier mit Worten wiedergeben. Ich will es trotzdem versuchen, auch wenn meine Sprache nur einen Abklatsch dessen geben wird, was wir dort draußen sehen. Es wird so sein, als wolle ein Dreijähriger Michelangelos Meisterwerke in einer ihm unbekannten Sprache beschreiben. Es wird genauso hoffnungslos sein, wie es ist, das Licht auszumachen und so die globale Erwärmung zu stoppen. Es wird in die richtige Richtung gehen, aber eben nicht sehr weit. Spätestens hier merkt die Leserin sicher, dass ich mich vor der Beschreibung drücke. Doch alle Worte der Menschheit würden nicht ausreichen. Ja man könnte sogar auf das Schweigen des dänischen Forschers neben mir nicht verzichten. Übrigens hat der gerade den Mund wieder zugemacht, nur um ihn wieder aufzumachen und zu und auf und so weiter. Sieht aus wie ein Karpfen. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob er nicht gleich Amok läuft. Unser schwedischer Begleiter mit dem Kampftrinkergen greift in seine Brusttasche und holt den Flachmann raus, den ich dort immer schon vermutet habe und nimmt einen beherzten Schluck.

Gute Idee!“ grinse ich hinüber und finde meine Hoffnung bestätigt.

Er reicht den sicher selbst gebrannten Schnaps rüber. Diese Geste lockert die Atmosphäre. Sylvia schaut mich an und ich reiche ihr die Flasche. Auch die Astronauten holen auf einmal bisher verborgen gehaltene Spirituosen aus ihren schicken Overalls. Hatte nicht gedacht, dass die Staaten unserer Erde eine Seminareinheit anonymer Alkoholiker auf so eine wichtige Reise schicken. Aber vielleicht haben die Generäle und Präsidenten einfach mehrere Missionen ausgesandt und wir waren diejenige, die eben scheitert. Damit würde sich die statistische Wahrscheinlichkeit der anderen Trupps zu überleben zwar nicht ändern. Aber ich bezweifele, dass irgendein Entscheidungsträger Ahnung von Statistik hat. Ich schweife schon wieder ab. Sorry! Der Alkohol macht mich halt ganz benebelt und ich frage mich, was zum Teufel da wohl vergoren wurde. Ich blicke wieder aus dem Fenster und hoffe, dass sich der Nebel lichtet. Tatsächlich. Jetzt wird mir klar, warum die Schweden so ein angenehmes Design haben. Ich sehe die beiden Sterne mit neuen gewaschenen Augen.

„Sieht aus, wie zwei Spiegeleier auf einem großen Teller.“

Es ist Sylvia, die wieder mal beweist, dass sie ihre Tassen im Schrank aufrechet stehen hat.

„Fehlt nur noch Petersilie“

das kommt aus Captain Millers Mund. Weiß der Teufel, wo der Idiot diesen Einfall her hat, aber wir müssen alle grinsen. Meins fällt ein bisschen säuerlich auf, denn ich habe ihn in Verdacht, auf Sylvia scharf zu sein und mit seinen Petersilien könnte er Boden gut gemacht haben. Aus den Augenwinkeln kann ich sehen, wie sie ihm anerkennend zulächelt. Verzweifelt krame ich nach einer ähnlich qualifizierten Bemerkung.

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Die Ebene: 4

An dieser Stelle muss ich – sicher zum Ärgernis der Leserin – einen Blick auf die Ereignisse werfen, die sich kurz nach meinem Besuch in der obskuren Apparatur nahe Braunschweig ereigneten. Es fällt mir schwer,  jetzt wo die Dinge immer noch so ungewiss sind, einen klaren Gedanken zu fassen.

Kurz nach der Begegnung mit Gunter Meier bekomme ich die Nachricht, dass der nette Physiker bei Wartungsarbeiten getötet wurde. Die genauen Umstände seines Ablebens sind Gegenstand einer mehrköpfigen Kommission. Mittlerweile schlummern die Untersuchungsergebnisse unbeachtet im Landgericht Braunschweig. Folgendes habe ich erfahren: Meier hatte gemeinsam mit seinem Kollegen Fritsche, den ich auch kannte, ein neues Messsystem angebracht. Dieses Messsystem sollte den Braunschweiger Messkanal den anderen überlegen machen. Die beiden Wissenschaftler hatten das neue Instrument gerade justiert, als ein für den Laien unscheinbares Signal auf dem Monitor erschien. Für Fritsche und Meier war der dezente Peak bei 240 Nanometern alles andere als unscheinbar. Sie hatten den ersehnten Schwerkraftsprung gemessen! Sollte das der Nobelpreis sein? Der Hysterie nahe beugten sich die Physiker über die Aufzeichnungen. Wer weiß, wie viele Jahre Arbeit in so einem Projekt stecken, kann vielleicht verstehen, warum sie die üblichen Sicherheitsmaßnahmen nicht beachteten. Ein Großmessgerät dieses Kalibers ist keine Blackbox wie ein iPod. Überall hängen Kabel rum, viele davon leiten Signale weiter. Sie sind bunt aber harmlos. Doch ab und an gibt es da wohl Starkstromkabel. Schwarz, grau oder rot ummantelt. Keine Ahnung. Wichtig ist nur: Eines davon hatte sich während der Wartungsarbeiten gelockert und genau im Moment der sensationellen Entdeckung gelöst. Meiers Pech war, dass er genau darunter stand. Fritsches Glück war, dass er Meier nicht ein zweites Mal auf die Schulter klopfte. Meiers Haarzopf strebte vibrierend nach außen – unentschieden, ob Locken zu bilden seien oder ob es besser sei, auszufallen. Der Raum roch schnell nach verkohltem Fleisch. So ist das, wenn 4800 Volt durch einen menschlichen Körper jagen.

Damals wusste ich nichts von den Details. Nur eines war klar: Der Braunschweiger Schwerkraftkanal hatte ein Ereignis gemessen. Irgendwo da draußen.

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Der kleine Matrose

Der kleine Matrose fährt so gern zur See Denn dann Winken die Mädchen In jedem Auge eine Träne Der Abschied, der tut weh Dem kleinen Matrosen Ist das scheißegal Denn in jedem Hafen wartet eine Andere Die ihn glücklich macht

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Die Ebene: 3

Langsam schiebt sich das Schutzschild vor dem Fenster zurück. Dunkelheit und Licht strahlen zu gleich auf unsere Gesichter. Wir schauen auf das All. Ist schon toll.

„Da!“ bricht Smerg Johannson sein Schweigen.

Er zeigt auf zwei riesige Sterne, die zum Greifen nah scheinen, in Wirklichkeit aber Millionen von Kilometern entfernt sind. Die junge Wissenschaftlerin fängt an, etwas Unverständliches in ihr Diktafon zu brabbeln. Gleichzeitig blickt sie auf die Bildschirme vor sich und bedient zwei Tastaturen. Ich schaue zu Sylvia, hoffe einen Blick des gemeinsamen Verständnisses zu erheischen. Doch anders als sonst schaut sie nicht zurück. Die zwei Sterne sind wohl wichtiger. Beleidigt starre ich ebenfalls aus dem Fenster. Was ich sehe, lässt mich verstehen, warum Sylvia mich nicht beachtet.

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Die Ebene: 2

Das war vor gut drei Jahren. Gemeinsam mit einem Freund bin ich auf einem Feld in der Nähe Braunschweigs. Ich will nicht gemein sein, aber es fällt mir schwer etwas Nettes über die Landschaft zu sagen. Tut aber auch nix zur Sache. Wir besuchen eines der merkwürdigsten Experimente der Menschheit. Es geht darum, die Schwerkraft zu messen. Genauer gesagt, eine Änderung der Schwerkraft. Hier muss ich kurz warnen, selbst wenn ich mir Mühe gebe, bin ich mir nicht sicher, ob ich es verstanden habe; geschweige denn ob ich es erklären kann.

„Sehen Sie diese Schleuse hier?“ der Physiker schaut uns fragend an.

Wir nicken, was nicht schwer fällt, denn das Schleusentor ist rot und hat einen Durchmesser von drei Metern. Der Physiker heißt Gunter Meier, ist knapp zwei Meter groß, von massiger Gestalt, die Haare hängen ihm in einem langen Zopf den Rücken runter. Ein Bart verdeckt einen Unterbiss oder ein Fliehkinn oder beides. Seine besockten Birkenstocks scharren auf dem Beton. Es wird wohl ernst.

„Hinter dieser Schleuse befindet sich eine von zwei vierhundert Meter langen Vakuumröhren. In diese jagen wir einen hyperkonstanten Laserstrahl. Der wird am Ende der Röhre von einem Spiegel reflektiert und prallt hier erneut auf einen Spiegel. Der lenkt den Laserstrahl um exakt 87,5 Grad ab und schickt ihn in die zweite Vakuumröhre. Dort wird der Strahl erneut reflektiert und geht wieder über 87,5 Grad-Spiegel.“

„Warum 87,5 Grad?“ frage ich.

Ich habe praktisch nix kapiert und klammere mich an dieses Detail, um bei dem riesigen Wissenschaftler Eindruck zu schinden. Er schaut mich aus fröhlich lächelnden grauen Augen an.

„ Die Bauern hier sind nicht doof. Als sie merkten, dass wir Land brauchten, sind die Grundstückspreise angestiegen. Und da die Gemarkungen hier nicht rechtwinklig verlaufen, war es günstiger das Ganze für diesen krummen Winkel zu berechnen, als die Anlage rechtwinklig zu bauen. Dadurch mussten wir bloß zwei Landwirte auslösen. Das gab dann natürlich Stress in der Gemeinde, aber das könnt ihr ja auch in der Lokalpresse nachlesen.“

Ich grinse zurück. Dass er ins Du übergegangen ist, zeigt, dass er uns nicht für vollkommen verblödet hält.

„Na ja die Details sind eigentlich auch egal. Wir erzeugen halt einen extrem langen und extrem konstanten Lichtstrahl. Wird der durch ein Schwerkraftereignis in der Nähe gestört, so können wir das feststellen.“

Ich werde mutiger: „Was genau kann ich mir unter Schwerkraftereignis vorstellen?“

Er schaut mich mild an: „Nun eine Supernova, eine Sternengeburt oder ein Schwarzes Loch, oder sonst irgendwas, das irgendwo da draußen vorkommt und heftig genug ist, die Schwerkraft zu verändern.“

Ich nicke. Bin zwar kein Physiker, aber mir wird klar, dass hier was ganz Großes gemessen werden soll.

„Und habt ihr schon mal was gemessen?“ duze ich zurück.

„Das ist das Problem. Leider nein – oder zum Glück. Es gibt nur noch drei weitere dieser Geräte auf der Welt. Das sind die einzigen, die so was messen könnten. Wenn es uns gelingt, dann gibt das den Nobelpreis. Wenn nicht, dann ist das hier die teuerste Gemarkungsgrenze Niedersachsens.“

Heute frage ich mich, ob das nicht die bessere Lösung gewesen wäre.

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Gefährliche Treppen

Gefährliche Treppen Kann ich nicht leiden Gefährliche Treppen Sollst du meiden Denn fällst du sie runter Wirst du immer bunter Erst grün, dann blau, dann rot Und wenn du Pech hast, biste tot

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