Die Ebene: 5

Deswegen sind wir hier und starren aus dem Fenster. Die beiden Sterne haben ihre Position nicht verändert. Sie sind es auch nicht, was uns wie blöde glotzen lässt. Es ist der Raum zwischen den beiden Sternen. Es wäre vermessen, würde ich behaupten, ich könne die Erscheinung hier mit Worten wiedergeben. Ich will es trotzdem versuchen, auch wenn meine Sprache nur einen Abklatsch dessen geben wird, was wir dort draußen sehen. Es wird so sein, als wolle ein Dreijähriger Michelangelos Meisterwerke in einer ihm unbekannten Sprache beschreiben. Es wird genauso hoffnungslos sein, wie es ist, das Licht auszumachen und so die globale Erwärmung zu stoppen. Es wird in die richtige Richtung gehen, aber eben nicht sehr weit. Spätestens hier merkt die Leserin sicher, dass ich mich vor der Beschreibung drücke. Doch alle Worte der Menschheit würden nicht ausreichen. Ja man könnte sogar auf das Schweigen des dänischen Forschers neben mir nicht verzichten. Übrigens hat der gerade den Mund wieder zugemacht, nur um ihn wieder aufzumachen und zu und auf und so weiter. Sieht aus wie ein Karpfen. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob er nicht gleich Amok läuft. Unser schwedischer Begleiter mit dem Kampftrinkergen greift in seine Brusttasche und holt den Flachmann raus, den ich dort immer schon vermutet habe und nimmt einen beherzten Schluck.

Gute Idee!“ grinse ich hinüber und finde meine Hoffnung bestätigt.

Er reicht den sicher selbst gebrannten Schnaps rüber. Diese Geste lockert die Atmosphäre. Sylvia schaut mich an und ich reiche ihr die Flasche. Auch die Astronauten holen auf einmal bisher verborgen gehaltene Spirituosen aus ihren schicken Overalls. Hatte nicht gedacht, dass die Staaten unserer Erde eine Seminareinheit anonymer Alkoholiker auf so eine wichtige Reise schicken. Aber vielleicht haben die Generäle und Präsidenten einfach mehrere Missionen ausgesandt und wir waren diejenige, die eben scheitert. Damit würde sich die statistische Wahrscheinlichkeit der anderen Trupps zu überleben zwar nicht ändern. Aber ich bezweifele, dass irgendein Entscheidungsträger Ahnung von Statistik hat. Ich schweife schon wieder ab. Sorry! Der Alkohol macht mich halt ganz benebelt und ich frage mich, was zum Teufel da wohl vergoren wurde. Ich blicke wieder aus dem Fenster und hoffe, dass sich der Nebel lichtet. Tatsächlich. Jetzt wird mir klar, warum die Schweden so ein angenehmes Design haben. Ich sehe die beiden Sterne mit neuen gewaschenen Augen.

„Sieht aus, wie zwei Spiegeleier auf einem großen Teller.“

Es ist Sylvia, die wieder mal beweist, dass sie ihre Tassen im Schrank aufrechet stehen hat.

„Fehlt nur noch Petersilie“

das kommt aus Captain Millers Mund. Weiß der Teufel, wo der Idiot diesen Einfall her hat, aber wir müssen alle grinsen. Meins fällt ein bisschen säuerlich auf, denn ich habe ihn in Verdacht, auf Sylvia scharf zu sein und mit seinen Petersilien könnte er Boden gut gemacht haben. Aus den Augenwinkeln kann ich sehen, wie sie ihm anerkennend zulächelt. Verzweifelt krame ich nach einer ähnlich qualifizierten Bemerkung.

Über dieebene

tv-autor, journalist, filmemacher
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