Die Ebene 46


Sicher wäre es jetzt für die Leserin interessant, zu erfahren, was wir genau anstellen in den nächsten Stunden und Tagen. Doch ich möchte nur das gröbste davon niederschreiben. Zum einen weil es mich maßlos langweilen würde, Details zu erzählen, zum anderen, weil ich das meiste vergessen habe. So ist das. Die ganze Operation verläuft im Rausch. Wir alle sind unter dem Einfluss der Droge. Alles andere würde keinen Sinn ergeben. Jeder hat die Nacht vor der Operation sein eigenes Lernprogramm bekommen. Ich habe es zusammengestellt, während wir Ben vorbereiten. Nur zwei Tage später hat er einen funktionierenden Kreislauf. Nichts Dolles, aber so, dass alles weitere unter weniger Zeitdruck geschieht. Ich habe Ben in ein künstliches Koma versetzt. Bens neuer Körper wächst langsam. Es wird dauern. Sein Kopf, Schulter und Arm ragen aus dem Tank, in dem die Stammzellen ihr Medium haben werden. Mit der 3D-Fräse forme ich die Gerüste für die Knochen. Das macht Spaß, denn es erinnert mich an meine Kindheit, in der ich kleine Modellflugzeuge gebastelt habe. Captain Miller und die Russin gehen uns aus dem Weg. Kein Wunder wir bewegen uns sicher wie die Zombies. Die Deutsche lässt sich ab und an blicken, schleicht kurz rein, schaut hierhin, schaut dahin und verschwindet dann wieder. Mich beachtet sie nicht, oder zumindest merke ich es nicht.  Wir machen gute Fortschritte.

 

Über dieebene

tv-autor, journalist, filmemacher
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