Die Ebene 43


Die Fahne des Schweden kriecht an mich ran. Dicht gefolgt von Hergeson. Er ist mir nicht sonderlich sympathisch, aber ich habe auch nichts gegen ihn. Außerdem ist sein Schnaps ein echtes Ereignis. Er reicht mir den Flachmann.
„Trinken Sie lieber einen Schluck!“
Obwohl ich nichts trinken will, kann ich nicht widerstehen. Wer weiß, wann die Quelle versiegt.
„Es ist im Prinzip ganz einfach: Unsere kleine Supermaus hängt im Grunde einer Idee nach: Das Holographische Universum. Es gibt jede Menge Definitionen und Theorien dazu. Am Ende bleibt der Grundgedanke, dass sich das ganze Universum als eine einzige Fläche darstellen lässt. Komplex und zigfach verschränkt zwar. Aber am Ende doch eine popelige Fläche. Und da liegt der Hund begraben. Stimmt dieser Gedanke, dann lässt sich das Universum mit einer einzigen Formel bestimmen. Alles klar?“
Ich nicke, obwohl ich gar nichts verstanden habe.
Na ja! Niemand kennt die Formel und eins ist auch sicher: Die Formel wird so kompliziert sein, dass kein Mensch sie je verstehen wird. Andererseits – Wer weiß, ob unsere Deutsche überhaupt ein Mensch ist?“
Ich fühle mich ein wenig provoziert. Niemand wird gerne mit dem Gedanken konfrontiert, gerade mit einem Roboter – oder was auch immer – geschlafen zu haben.
„Schön und gut, aber was soll die ganze Reise zu diesen beiden Sternen und die Messerei?“
Svende verdreht die Augen:
„Ganz einfach! Sollten sich die beiden Sterne anders verhalten, als die bisherige Physik voraussagt, dann ist hier vielleicht ein Schlüssel oder ein Teil des Schlüssels zum Verständnis unserer Welt. So zumindest die konservative Einschätzung vieler Wissenschaftler. Ich persönlich gehe da ein bisschen weiter. Und ich bin mir sicher, unsere blondes Genie ebenfalls.“
„Ja und?“
„Ganz einfach. Jedes mal, wenn wir die Welt nicht mit den alten Formeln beschreiben können, müssen wir uns was Neues einfallen lassen, um das Phänomen zu beschreiben. Eine neue Formel sozusagen, die ein neu entdecktes Naturgesetz beschreibt. Nun hier ist das Phänomen, das wir erwarten, so umfassend, dass sich zusammen mit einer Reihe anderer Betrachtungen eine Formel für das Holografische Universum entwickeln lassen könnte. Also eine Art Weltformel, die alles beschreibt, was war, ist und sein wird!“
Hergesons läuft bei so viel Formelmacht in spe anscheinend das Wasser im Mund zusammen, denn ihm läuft der Sabber aus dem Mund. Ich greife Flachmann, mit dem er die ganze Zeit rum wedelt und rette ihn so davor eingenässt zu werden. Zur Sicherheit wische ich den Flaschenrand mit dem Ärmel ab und nehme einen kurzen Schluck.
„ Ich versteh zwar nix von dem ganzen Zeug, dass ihr da schwätzt, aber eins steht fest, ihr habt einen fetten Schaden. Selbst wenn alles stimmt, wer will denn was mit einer Weltformel anfangen? Die Weltherrschaft an sich reißen? Die Lottozahlen voraus sagen? Oder einfach Brötchen damit kaufen?“
Ich drücke ihm den Flachmann wieder in die Arme. Das Ganze nimmt mich mehr mit, als ich vor dem Schweden zugeben möchte. Aber seinen amüsierten Augen kann ich entnehmen, dass mir das nicht gelingt. Wie auch? Immerhin hab ich vor einigen Jahren eine Geschichte zusammen fantasiert, die zu gut hierzu passt. Würde nur zu gerne Smergs Meinung hören. Oder Sylvias. Doch ich habe erst mal anderes zu tun.

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tv-autor, journalist, filmemacher
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