Je suis Charlie – aussi! irgendwie so ein bisschen

„Jawoll, die können mich mal die Dschihadisten!“ Der große Weltraumgeschichtenerzähler hat wieder mal einen im Tee. Vor ihm dümpelt ein Landbier und hofft, dass es nicht verdunsten muss. „Keine Sorge,“ raunt der Literat und setzt die Flasche an. Dann stiert er sabbernd in Richtung Wirt „Je suis auch Charlie mein Lieber! Wirste noch sehn. Nicht mit mir! Je suis Charlie. Ich auch. Jawoll.“ Der Wirt schaut ihn an, wie er alle Gäste ab 2 Promille anschaut. Er ist zu einer Mischung aus Muttersau und Rausschmeißer mutiert. Ein schmaler Grad, auf dem er gerne balanciert. Wer nix hat, ist mit wenig zufrieden, schießt es ihm durch den Kopf. Bevor er dem Gedanken folgen kann, ist sein einziger Gast dran: „Flötur, halt mal den Ball flach. Du hast doch gar keine Ahnung wovon du redest.“ „Und ob mein lieber; und ob! Das ging gegen uns alle!“ mit ausgestreckten Zeigefinger an langem Arm zeigt Flötur ins leere Rund: „Uns alle!“ „Nicht gegen mich! Ich bin neutral, solange die mir nicht die Bude voll kotzen.“ „Auf dich hab ich auch nicht gezeigt. Ich meine die Gesellschaft da draußen. Alle miteinander.“ Mit großer Geste wiederholt der Wortkünstler seine Armbewegung.  „Mir egal. Da ist jetzt eh keiner.“ „Wir müssen dagegen halten! Jeder sollte eine Mohamed Karikatur zeichnen oder einen Spot drehen, der sich über Islamisten lustig macht oder zumindest einen Witz machen, der auf Kosten von al-Qaida geht. Das wäre was!“ Flötur nimmt langsam Fahrt auf. „Oder ich schreib einen Roman, der mal endlich sagt, was alle denken.“ „Was denken denn alle?“ Schweigen. Der große Schreiber muss überlegen, nimmt seinem Bier die Sorgen und schiebt es dem Wirt zu. „Keine Ahnung, machste mir noch eins?“ Während ihn das Warten aufs nächste Bier an die Theke fesselt und zur Untätigkeit verdammt, arbeitet sein Künstlerhirn weiter: „Denen sollte man es mal so richtig zeigen…“ brabbelt er dabei. Der Wirt hat zugehört: „Und dann! Willste etwa auch abgeknallt werden?“ „Solln doch kommen die Knalltüten. Raumstation Alpha. Ha, da wissen die doch gar nicht wo das liegt. Und wenn, dann kleben wir einfach eine falsche Hausnummer dran. Oder besser die richtige. Was meinst du?“ 

In diesem Moment betreten zwei arabisch aussehende Männer die Kneipe. Sie sind dunkel gekleidet und haben große Sporttaschen dabei. Einer der beiden geht an die Theke, während sich der andere an den Sporttaschen zu schaffen macht. Flötur beobachtet die beiden aus den Augenwinkeln. Dann springt er auf, wirft den Stuhl um, verschüttet sein frisches Bier, schreit „Je suis Charlie!“, wedelt mit den Armen, in der einen Hand ein gigantischer Bleistift und stürzt aus der Kneipe. Von draußen hören die drei in der Kneipe leiser werdende Rufe: „Je suis auch Charlie, ich auch!…..“

„Was war denn das für einer?“ Der Wirt zuckt mit den Schultern: „Zwei Helle?“ und macht sich dran, Flöturs Sauerei zu beseitigen. Die dunkel gekleideten Männer holen Zeichenblöcke aus ihren Sporttaschen und fangen an lustige Bilder mit gesellschaftskritischem Hintergrund zu malen.

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