Die Ebene 107

„Was war das grade?“

„Was?“

„Das Gequatsche da eben.“

„Welches Gequatsche?“

„Willst du mich verarschen? Du hast grade mit irgendjemanden geredet!“

Jetzt wird die liebe Leserin sicher denken, jetzt sitzt er in der Falle, der Depp. Stimmt. Auf der einen Seite kann ich Maria nicht vormachen, dass sie Halluzinationen hatte. Weiß ja gar nicht, wie lange sie wach ist. Ihr die Wahrheit erzählen geht auch nicht. Also, ginge schon, aber das wäre es mir nicht wert. Schließlich würde Vosnessen das ja mitkriegen und dann bin ich gearscht. Da ich das nicht will, muss Maria dran glauben.

„Ach so, das meinst du. Klingt so, als ob ich mit irgendjemand telefoniere, ne“

Maria schaut mich an. Rührt keine Wimper. Rückt noch nicht mal von mir weg.

„Das mach ich manchmal. Ich stell mir dann vor, dass ich mit meinem Chef telefoniere.“

„Warum?“

„Warum was?“

„Warum machst du das? Und warum telefonierst du ausgerechnet mit deinem Chef?“

„Keine Ahnung. Denke mal, es entspannt mich oder was weiß ich.“

„Entspannt dich?“ Marias Augen funkeln. Sie sitzt jetzt fast aufrecht. Ich vermute mal, dass ich einen Fehler gemacht habe, bzw. dass ihr irgendwas nicht so richtig an meiner Ausrede gefiel.

„Wir vögeln miteinander, dass es nur so kracht. Und dann telefonierst du mit deinem Chef, um dich zu entspannen! Du bist doch nicht ganz dicht.“

„Nein, so hab ich das nicht gemeint…“

„Was hast du nicht so gemeint? Deinen Dödel in mich reinstecken? Dein Gegrunze? Dein Pseudotelefonat? Oder was?“

Maria kann ganz schön fies werden.

„Naja, das mit dem Telefonat, also ich meine, dass mich das entspannt. Ich weiß es doch auch nicht, warum ich das mache. Keine Ahnung!“

„Doc, was erzählen Sie da für ein Scheiße.“ Vosnessen hat wohl Amnesie-Ende.

„Du hast von gar nichts eine Ahnung.“ Maria ist wieder in voller Montur. Sie starrt mich an. „So ein Wichser.“

Das ist nicht mehr an mich gerichtet. Maria spricht zu meiner Tür, die sie mit Schwung öffnet. Ich blicke ihr nach.

„Na, hat ihre kleine Italienerin gemerkt, dass Sie im Bett nicht grad Trumpf As sind. Aber machen Sie sich nichts draus. Nicht jeder kann alles gleich gut.“

„Ach lassen Sie mich in Ruhe.“

„Na, na, na! Immerhin leben Sie von meinem Geld, da darf ich mir doch mal einen Spaß erlauben.“

„Nein dürfen Sie nicht, und jetzt wäre es wirklich gut, wenn Sie mal aus meinem Ohr verschwinden. Wenigstens für fünf Minuten. Ich brauch mal Ruhe.“

 

 

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