Die Ebene 81


… aber wie Sie wissen, habe ich das Kommando über das Schiff.“

Miss Superhirn kommt langsam in Fahrt und ich lehne mich beruhigt zurück. Der Anfall von normalem Verhalten ist anscheinend vorbei. Captain Miller ist nicht so feinfühlig. Oder er hat sich einfach nicht täuschen lassen.

„Ich weiß, dass Sie hier draußen eine Riesensauerei vorhaben! Sie und Ihre ganze Bande von Hirnvergrößerten Kretins. Und wenn Sie der Papst oder der Präsident oder was auch immer wären, ich werde jetzt die Automatik ausschalten und uns in ein lauschiges Eckchen schieben. Wir haben sechs Jahre für die Vorbereitung der Expedition gebraucht, da kommt es auf ein paar Monate nicht an.“

Sagts und setzt sich an sein Pult. Seine Finger fliegen nur so über die Tastatur, doch bevor er eine augenscheinlich entscheidende Taste drücken kann ist die Deutsche bei ihm. Sie legt ihre Hand auf seine und spricht sanft:

Miller, hören Sie mir noch einen Augenblick zu. Ich kann Sie nicht abhalten. Doch Sie machen eine Riesendummheit. Soweit ich das berechnet habe, reichen die Steuerdüsen bei weitem nicht aus, um unser Schiff aus der Gefahrenzone rauszubekommen. Es ist so als wollte Sie ein Kreuzschiff mit einem Paddel lenken. Sie können sich das gerne anschauen!“

Doch Miller ist nicht in der Stimmung für technische Erörterungen. Er wirft die Hand der Deutschen ab und haut auf seine Taste. Zumindest versucht er es. Tausendschönchen setzt ihn nämlich mit einem gezielten Schlag gegen den Kehlkopf außer Gefecht. Der Arme weiß gar nicht was passiert ist. Er hält sich den Hals und schnappt nach Luft. Seine Gesichtsfarbe verändert sich allmählich. Bevor er so richtig schön blau ist, bin ich bei ihm. Die anderen starren auf die Deutsche.

„Ich hasse Gewalt. Doch es war die einzige Möglichkeit, um das einzig vernünftige zu tun. Hier geht es nicht darum, die Wünsche eines erstklassigen Astronauten zu erfüllen. Wir müssen das Ziel der Mission im Auge behalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass wir sicher wieder zurückkommen…“

Was legt die denn jetzt für eine Platte auf? Getreu meiner Angewohnheit stell ich die Ohren auf Durchzug. Soll sie doch schwafeln. Miller kommt langsam wieder zu sich. Allerdings wird er die nächste Zeit kein Ohr mehr befeuchten. Wenn ich Pech habe, bekomm ich das wieder hin und er kann wieder reden wie bisher. Vermutlich wird er ein interessantes Timbre in seiner Stimme haben. Wer weiß.

„…. Es ist unmöglich, dem Meteoritensturm auszuweichen. Zumindest mit den Mitteln, die wir zur Zeit haben. Wir müssen also den Haupttriebwerksstrang wieder in Gang bekommen und wenn es nur für einen kurzen Moment ist.“

Während die blonde Versuchung das sagt, kloppen ihre Finger auf Millers Tastatur rum. Wahrscheinlich macht sie seine Befehle rückgängig oder repariert das Raumschiff. Ich helfe den immer noch vollkommen verwirrten Captain Miller auf die Beine. So wie es jetzt ausschaut, haben wir nur noch Maria als funktionsfähigen Astronauten an Bord.

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