Die Ebene 80


Alle sind versammelt. Svende, Smerg, Sylvia, Tausenschönchen und die ausgeheulte Maria. Die beiden Skandinavier über den Pulten gebeugt. Die Deutsche hat gleich drei Tastaturen in Beschlag. Augenscheinlich mit was Wichtigem beschäftigt. Ist wohl was Ernstes. Smerg informiert mich:

„Ein Meteoritensturm fliegt auf uns zu. Wenn alles so bleibt wie es ist, treffen die Brocken in etwa zwei Stunden auf unser Schiff.“

Captain Miller steht neben der Deutschen, versucht zu erfassen, was sie so treibt. Das Superhirn wendet sich augenblicklich an ihn:

„Miller, gibt es irgendeine Möglichkeit dem auszuweichen?“

Der Captain hat anscheinend mit der Frage gerechnet.

„Sieht nicht gut aus. Der Hauptantrieb ist defekt. Wir können natürlich versuchen etwas mit den Steuerdüsen anzufangen. Die sollten funktionieren. Dann müsste ich allerdings auf manuelle Steuerung umschalten. Sie wissen, was das bedeutet?“

Ja. Alle bisherigen Messungen werden nutzlos und wir müssen hier noch ein paar Tage länger bleiben.“

„Können Sie das verantworten?“

„Darum geht es jetzt nicht. Die Frage ist, ob wir das wollen.“

„Und?“ das bin ich, Warum ich mich einschalte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Sie schaut mich kurz und viel sagend an.

„Im Grunde ist es ein Optimierungsproblem. Wir – Smerg und ich – sind recht sicher, dass wir in kurzer Zeit…“

„In 76 Minuten!“ schaltet sich der erstaunlich nüchterne Schwede ein.

Also, es kann gut sein, dass ein Ausweichmanöver von Hand unnötig ist. Wenn der normale Antrieb läuft, wird das Schiff den Meteoriten ausweichen und wir können die bisherigen Messwerte verwenden. Sollte uns ein Fehler unterlaufen sein, dann könnte es zu spät sein, um mit den Steuerdüsen ein Ausweichmanöver zu fliegen. Aber selbst, wenn wir, das heißt ich, uns für ein manuelles Manöver entscheiden, dann kann es schief gehen. Habe ich das so richtig zusammengefasst, Captain Miller?“

„Exakt! Und ich kann nur sagen: Lassen Sie mich das Baby aus dem Scheiß rausholen. Ihr Messungen können Sie dann ja nachholen!“

„Man erkennt sie sind ein Praktiker. Erst handeln, dann fragen. Tatsächlich ist es nicht so einfach. Die Daten, die wir bisher haben machen gut 80 % unserer Zieldaten aus. Wenn wir sie unbrauchbar machen, dann kann es, ich korrigiere: dann wird es so sein, dass wir hier noch mindestens drei Monate bleiben müssen, um ähnlich signifikante Messungen durchzuführen…“

Ich verstehe nur Bahnhof. Allerdings fällt mir auf, dass die Deutsche erstaunlich menschlich agiert. Welches holografische Wesen würde sich auf eine Diskussion mit einem grenzdebilen Astronauten einlassen?

„… was bedeuten würde, dass wir die ganze Mission gefährden.“

„Ihre Mission ist mir Scheißegal!“ Captain Miller

„Das ist mir bewusst.

Über dieebene

tv-autor, journalist, filmemacher
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Die Ebene veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.