Die Ebene 75


Einer der Gründe für meinen Zeitmangel schlummert in einem Tank aus Nährlösung. Ich nutze den Moment, um bei Ben vorbei zu schauen. Alles im Lot, soweit man das sagen kann. Hoffentlich klingt Ludmillas allergischer Schock bald ab. Möchte gerne den Rücken frei haben, wenn ich Ben aus seinem Gefängnis rauslasse.

Maria erreicht mich auf der Krankenstation.

„Sieht nicht gut aus. Aber am besten du schaust selbst mal.“

Sie hält mir einen Ausdruck und drei Fotos unter die Nase. Könnten glatt von Ludmillas Haut stammen. Doch ich weiß, dass sie aus einer wissenschaftlichen Veröffentlichung stammen. Der Titel verheißt nichts Gutes: „Hyperallergical reactions on toxic agents – a brief history of case studies“. Es ist ein längerer Artikel, in dem ich mich erst mal zurechtfinden muss. Es werden mehrere allergische Rektionen beschrieben. Der Hautausschlag, der Ludmillas Hautausschlag am ähnlichsten ist, wird durch den Kontakt mit einem recht selten eingesetzten Kühlmittel ausgelöst. Es reichen mir aber ein oder zwei Suchanfragen, um zu erfahren, dass wir auf unserem Schiff ausgerechnet dieses Kühlmittel irgendwo im Bereich der Laserablationskiste einsetzen. Mehr will ich erst mal nicht lesen. Sollte Ludmillas Allergie gegen das Kühlmittel aktenkundig sein, dann wäre es mehr als verwunderlich, dass sie hier mit durfte. Nur wenig später klärt mich Captain Miller per Funk auf.

„Die Russin war kerngesund. Sie hat alle Tests, auch allergologische gut überstanden. Allerdings gab es in ihrer Familie einen Todesfall aufgrund eines allergischen Schocks. Es war ihr Großvater. Ein russischer Raumfahrtexperte. Ist mir ein Rätsel, warum das so klein gekocht wurde. Schließlich ist sie ja mit.“

Maria und ich sind schon wieder bei Ludmilla. Ihr Puls ist nicht allzu stark, ihr Atem geht flach. Flacher, als noch vor ein paar Minuten. Ich gebe ihr eine Injektion und schaue, wie sich das auf ihre Werte auswirkt. Nicht gerade berauschend. Wenn das so weiter geht, ist sie die nächste, die an die Lebenserhaltungskiste gekabelt wird. Mir reicht es langsam. Bedeutet das doch, das Ben fürs Erste weiter in seinem Tank pennt, ich keine Zeit haben werde den Inder vernünftig zu untersuchen und auch vom Rest des Betriebs nichts mit bekomme. Außerdem ist Captain Miller der einzige Astronaut. Denn auf Marias Hilfe kann ich nur zur Not verzichten. Hoffe mal, dass unsere drei verbleibenden Wissenschaftler den Captain unterstützen. Wobei ich nicht weiß wobei.

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