Die Ebene 74


Captain Miller erwartet mich schon. Nichts, dass ihm nicht entgeht.

„Was ist denn das schon wieder für eine Sauerei? Was hat dieses Russenweib denn angestellt?“ schnauzt er, als ich eintrete.

Ich schau ihn nur dämlich an. Er kapiert.

„Na, guten Abend erst mal. Entschuldigen Sie meine Äußerungen, aber das wird langsam ein bisschen viel. Wie geht es Ihnen?“

Er hat sich wieder im Griff.

„Erstaunlich gut, wenn ich bedenke, dass ich acht Tage flach lag. Aber lassen Sie mich erst mal erzählen, wie es Ihrer Kollegin geht. Sie hat einen allergischen Schock. Woher der kommt, warum sie das hat, kann ich zur Zeit nicht sagen. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Meine Frage ist: Könnte irgendetwas in den Unterlagen stehen, die  uns nicht zugänglich sind. Ich denke zumindest, dass es über jeden von uns ein geheimes Dossier gibt, auf das nur Sie und unsere liebe Chefwissenschafterin zugriff haben.“

Bei dem Begriff Chefwissenschaftlerin verzieht Captain Miller kurz das Gesicht.

„Ihnen ist klar, dass ich diese Frage nicht beantworten kann. Doch wenn ich Ihnen und Captain Ludmilla helfen kann, dann werde ich alles tun, was in meiner Macht steht.“

„Schon gut, wir haben aber nicht allzu viel Zeit für offizielles TamTam. Ihr Zustand ist zwar stabil, doch je kürzer das ist, umso besser.“

Er überlegt kurz, ob er sich aufregen soll. Doch dann besinnt er sich.

„Ihnen ist es wahrscheinlich nicht bewusst, aber ich halte große Stücke auf Sie. Warum weiß ich selber nicht. Wenn ich Ihnen helfen kann, erfahren Sie es in ein paar Minuten. Wenn Sie mit der Russin fertig sind, erwarte ich einen Bericht. Oder besser drei. Viladings, Ben und Captain Ludmilla.“

Ich nicke. Mir geht durch den Kopf, dass Tausendschönchen auch Berichte haben wollte. Frage mich, wann ich den Scheiß erledigen soll. Klar, ich bin gewohnt, meine Protokolle zu führen, doch müssen die ja auch für Laien übersetzt werden und das kostet Zeit und die habe ich nicht.

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