Die Ebene 41


Eine Hand rüttelt an meiner Schulter. Ich habe nicht richtig geschlafen, doch ich schrecke zusammen. Es ist Tausendschönchen. Ein Blick auf die Stereoanlage zeigt mir, dass Musik laufen muss. Erst jetzt nehme ich sie wahr und schalte sie aus.

„Hei! Was gibt’s?“ 

„Erzähl ich dir, wenn du richtig wach bist.“

Es hat keinen Zweck, irgendwas vorzubringen, Stattdessen gehe ich ans Waschbecken und klatsche mir kaltes Wasser ins Gesicht. Mir fällt auf, dass ich nackt bin. Möglichst elegant werfe ich mir das nächste Handtuch um, das ich greifen kann. Dann stelle ich die Kaffeemaschine an und warte auf zwei Espresso. Die Deutsche ist wieder in Zivil. Wie gehabt sieht sie hinreißend aus. Ist mir egal, versuch ich mir einzureden. Stattdessen merke ich, dass ich sie anstarre. Sie auch.

„Na komm! Das war große Klasse heut. Gut, dass du dabei bist.“

Irgendwas stimmt nicht, an der Art, wie sie das alles sagt. Es sind die Worte und Sätze, die man in so einer Situation redet. Ja, aber ich habe nicht das Gefühl, als käme es aus ihr. Sie scheint mein Unbehagen nicht zu bemerken und plappert munter weiter.

„Meinst du er wird durchkommen?“

Verdammter Mist! Jetzt schaut sie mir auch noch tief in die Augen. Mit Wimpernaufschlag, Kuhaugen und all diesem „ich bin besorgt“-Scheiß. Wie eine abgehalfterte Politmoderatorin aus dem Fernsehen. Was kommt noch alles? Ich erfahre es, während ich dabei bin, eine passende Antwort zu finden. Soll ich sagen, dass sei mir egal, dass wisse ich nicht oder ja, ja, sicher!? Die geneigte Leserin kann ruhig was ankreuzen, ich komme nicht dazu was zu sagen. Denn das Superhirn schiebt ihren sagenhaften Körper immer näher an mich ran und mir wird bewusst, dass ich nur ein Handtuch zur Verteidigung habe.

„Hei komm, was ich in der Küche gesagt habe, war doch nur, um dich zu provozieren. Du weißt genau, dass ich dir näher stehe als irgendwem sonst hier.“

Ihre Hand berührt meine Wange. Ich bin nicht bescheuert. Mir ist klar, dass die Deutsche hier eine ziemliche Schmierenkomödie abzieht. Ich denke noch über mögliche Abwehrhandlungen nach. Schaffe es sogar, den Kopf etwas von ihrer Streichelhand zu entfernen und auch einen Schritt zurückzugehen. Denke mal, ich bin so auf gut zwölf Zentimeter Raumgewinn gekommen, als ich feststellen muss, dass ich ein recht schwacher Mensch bin. Sie rammt mir ihre Zunge in den Hals und ich verliere das Handtuch. Später sind all meine klugen Beobachtungen und Zweifel unter einer großen Schicht Hormone vergraben.

„Komm mit!“

Sie steht im Bruchteil einer Sekunde auf. Ich schaffe nur einen kurzen Blick auf ihren Körper; dann ist sie angezogen. Ich folge ihr.

Über dieebene

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