Die Ebene 34


Beim Schwimmen hatte ich doch einen lichten Moment. Mir ist das Etikett wieder in den Sinn gekommen und ich bin mir sicher, dass der entsprechende Artikel bei einem Isidor aus dem Jahre 1997 erschien. Ich muss also nur zwei Jahrgänge der entsprechenden Publikationen durchforsten. Das macht es schon etwas leichter, aber man kann sich nicht vorstellen, wie viel über Epilepsie geforscht wird. Endlich finde ich den Artikel. „Poison indicated cases of high mortality…“ verfasst von einer Gruppe australischer, indischer und deutscher Forscher. Der Inhalt ist etwa folgender: In den 80er und 90er Jahren gab es unter Schamanen und Geistheilern auf Neu Guinea eine Reihe von Todesfällen. Die Toten wiesen jedes Mal das gleiche Merkmale auf: Genickbruch. Ihnen allen war gemeinsam, so der Artikel, dass sie vor ihrem Tod die Blätter eine Teeähnliche Pflanze verzehrt hatten, die sie üblicherweise als Bewusstsein erweiternde Droge einsetzten. Aus diesem Zusammenhang schlossen die Autoren, dass der Genuss der Blätter, die von den Einheimischen „Niguma“. Genannt wurde, den Tod der Schamanen verursachte. Unklar bliebe jedoch, so die Diskussion am Ende des Artikels, ob es die Blätter alleine waren, oder ob noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Schließlich sei davon auszugehen, dass die Geistheiler Erfahrung mit „Niguma“ gehabt hätten. Mehr Mutmaßungen stellen die Verfasser nicht an. Ich suche jetzt die gesamte Datenbank nach Niguma ab. Ich finde genau 23 Artikel, die von 1921 bis 2012 reichen, Im ältesten wird von der hallizugenen Wirkung der Blätter geschwärmt. Dies wird sieben Artikel später – 1967 – von einem nach neuen Drogen fahndenden Hippie bestätigt. Bis 1997 gibt es dann – 1983 – nur noch einen Artikel, der sich mit der Wirkung der Pflanze beschäftigt. Die Autoren beschreiben das Potenzial der Pflanze, als Heilmittel bei Schizophrenie und sonstigem zu wirken. Konkreter werden sie nicht. Erst 1997 taucht die pharmazeutische Wirkung wieder auf. Diesmal ist sie anscheinend tödlich. Danach ist es in der medizinischen Literatur lange Zeit still um Niguma. Erst 2011 versuchen Wissenschaftler der Universität Bumbai die Wirkstoffe der Pflanze zu isolieren. Wieder hoffen sie auf neue Wirkstoffe zur Heilung psychischer Krankheiten. Der Rest sind Artikel von Botanikern, die die Pflanze und ihre Verwandten beschreiben. Niguma wächst anscheinend nur auf Neuguinea und es sei wohl sehr schwierig, sie zu züchten. Die Bilder, die ich finde zeigen ein etwa 20 cm hohes Pflänzchen mit Teeartigen Blättern. Die Früchte sind gut Erbsengroß und hängen an kurzen Stilen. Etwa alle drei Jahre blüht die Pflanze. Die Blüten sind unscheinbar und weiß.

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