Die Ebene 21


Mein Schicksal schenkt mir nur ein paar Minuten dieser ebenso beruhigenden wie dämlichen Gedankens. Denn ich höre einen aufgeregten 1. Offizier neben mir brabbeln. Das hat mir noch gefehlt.

„… du warst doch mal Arzt oder so was?“

Ben´s Speichel fliegt in mein rechtes Ohr. Um der Dusche zu entkommen trete einen Schritt zur Seite und schaue ihn an.

„Hab´s in deiner Akte gelesen. Du warst´n bekannter Leichenfledderer bevor du mit dem Schreiben anfingst.“

Ben grinst, warum ist mir ein Rätsel bis er es auflöst.

„Na komm schon. Nicht jeder stirbt alt. Da war doch ne Menge Frischfleisch dabei!“

Ben ist zwar ein Idiot, aber damit hat er Recht. Die meisten, die auf meinem Edelstahltisch landeten waren jünger als 35. Etwa ein Drittel weiblich und davon wieder ein viertel attraktiv. Zumindest bevor sie auf meinem Tisch landeten. Wenn ich so gestrickt wäre wie Ben, hätte ich mich statistisch also jedes zwölfte Mal freuen können. Dem war aber nicht so. Es war zum kotzen.

„Also hör zu, wir brauchen deine Hilfe. Den Inder hat´s zerissen. Liegt mausetot in seiner Bude.“

Erst jetzt fällt mir auf, dass der Inder nicht im Kontrollraum ist.

„Ben! Verarsch mich nicht.“

„Nee, Chef keine Sorge, der alte Ben doch nicht!“

Wusste gar nicht, dass Ben Ironie kennt. Habe mich wohl getäuscht.

„Also was ist, Gehen wir?“

Ich trotte ihm hinterher. Ich weiß, normal wäre gewesen, ihn mit Fragen zu bombardieren und schockiert zu sein. Doch niemand kommt auf die Idee, Ben eine Frage zu stellen und zum schockiert sein bin ich heute einfach zu belämmert.

Über dieebene

tv-autor, journalist, filmemacher
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