Ein Raucher


„Warum kommst du erst jetzt?“ Costa Carpas durchzuckt es kaum merklich. So als wenn man einen elektrischen Weidezaun anfasst. Er weiß, er würde antworten. Doch seine Gedanken sind leer. Er riecht nach kaltem Rauch. In der Schlafzimmertür steht seine Frau. Sie ist attraktiv, sofern man auf vollbusige Blondinen steht. Er schaut sie an. Versucht mit einem Lächeln Zeit zu gewinnen. Bloß keine Diskussion jetzt. Er will ins Bett. Schlafen. Seine Woche war lang genug. Keine gute Woche im Übrigen. Seit er den neuen Job als 1. Offizier auf dem Containerschiff „Don Juan III“ angenommen hat, lief so einiges schief. Es war nie Costas Schuld, doch auch er selbst fragt sich, welche Rolle er bei den Missgeschicken hatte. Heute Mittag hatten sich vier Container bei einem Wendemanöver an der Hafeneinfahrt gelöst. Nur dem beherzten Eingreifen des Vorarbeiters Samuel war es zu verdanken, dass das Ganze nicht in einer Katastrophe endete. Samuel dieser Scheißkerl. Ein Mulatte mit der Figur eines Boxers. Die Frauen fliegen auf den Halbnigger. Im Dock nennen ihn die Arbeiter nur den Stecher. Dabei hat nie jemand Samuel mit einer Frau im Schlepp gesehen. Doch alle sind sich sicher, der Arsch treibt es sogar mit der Tochter des Reeders. Und ihre Frauen hat er sicher auch alle schon flach gelegt. Während sie fort waren. Zeit genug hat er schließlich. Keiner kann ihn leiden. Doch sie haben Angst vor ihm. Ein Matrose hatte sich mal mit ihm angelegt. Der Matrose war ein Schrank. Zwei an einem Meter und drei Zentner schwer.  Um was es ging, weiß keiner mehr. Aber nach dem Händel musste der Matrose vier Mal unters Messer. Sie haben ihn wieder zusammen geflickt. Jetzt macht er den Pförtner an Pier 7. Wenn Samuel dort vorbei kommt, kriecht der Geschlagene weit nach hinten. Und das Pförtnerhäuschen vibriert leicht, wenn der Riese vor Furcht zittert. Costa fühlt sich speiübel. Seit er um fünf die „Don Juan III“  verließ, hat er keinen Bissen zu sich genommen.  Dafür jede Menge geraucht. Die starken selbst gedrehten. Wie alle in den Docks und auf den Schiffen. Für richtige Zigaretten reicht das Geld nicht.

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