Die Ebene 31

Jetzt ist Smerg in der Küche. Mittlerweile ist es wirklich spät und ich blättere mich durch die Etiketten, ohne auch nur eine Entscheidung treffen zu können, welches bei meiner Lektüre des Artikels auch im Raum war. Bevor ich vollkommen verblöde ruft mich Smerg in die Küche. Er ist vor zwei Stunden verschwunden und ich dachte er liegt längst in der Kiste. Es riecht nach altem Hafen, Olivenöl und Knoblauch. Auf dem Tisch stehen eine Pfanne, Brot, zwei Gläser und eine Flasche Weißwein. Der Däne drückt mir eine Gabel in die Hand.

„Beeil dich! Je heißer umso besser!“

Sein Mund ist bereits gefüllt

„Hab die Muscheln für dich rausgelöst, ging ja sonst nicht. Hoffe, du ekelst dich nicht.“

Zum Glück hab ich Hunger.

„Nimm am besten eine große Gabel voll. Die Muschel spießt du auf, das Rührei  kommt dann schon mit und dann rein in dem Mund. Mit Brot nachschieben und dann den Weißen drauf. So hat´s der bescheuerte Franzose empfohlen.“

Ich kann mich nicht wehren. Zu groß sind Hunger und Däne.

„Nachtmahl?“

Tausendschönchens Stimme schneidet durch den Raum, lässt sich an Töpfen, Pfannen und Geschirr reflektieren um dann in unsere kleine Fressorgie zu platzen. Sie hatte ich ganz vergessen. Smerge bleibt jedoch cool.

„Hei, auch was? Ist der Hammer, danach gehste ab wie ein Zäpfchen!“ zwinkert er los und stellt auch noch ein Glas für sie hin.

Warum nicht?“

Sie macht wieder auf gesellschaftsfähig. Ihr Blick streift mich und während Smerg unsere Gläser füllt, streicht sie mir kurz über die Wange. Ich kann nicht mitbekommen, ob Smerge was gesehen hat, wundere mich aber auch, warum mir ihre Zärtlichkeiten peinlich sind.

„Habt ihr das mitbekommen, dass ich jetzt das volle Kommando über das Schiff und die Crew hab?“

Smerg bleibt unbeeindruckt.

„Captain Miller erzählte es mir, als wir über Viladings Todesfall sprachen.“

„Ja, der Arme ist nicht grade begeistert, dabei wird sich nichts ändern. Auch wenn ich ohne die Crew dieses Schiff managen könnte. Aber vor dieser Hierarchie-Änderung war es ja auch so, dass ich der Kommandozentrale meine Wünsche mitgeteilt habe und sie es dann an Miller als Befehl weitergeleitet hat. Dieser Schritt fällt jetzt weg. Das ist soweit weg sicher klug, denn wir müssen eine Menge entscheiden die nächsten Tage.“

Sie lächelt leicht verträumt und ich kann nur raten, was in ihrem hübschen Kopf vorgeht.

„Ach mach dir keine Sorgen!“ sie schaut mich jetzt direkt an, „obwohl rein faktisch gesehen bist du der Einzige, dessen Situation sich Grund legend ändert. Bisher hattest du keinen Vorgesetzten. Captain Miller war für die Crew zuständig, ich für die Wissenschaftler. Du gehörst weder zu den einen noch zu den anderen. Jetzt wo ich aber das Kommando über das ganze Schiff habe, fällst auch du darunter. Vielleicht war das der Sinn des Ganzen. Die wollten dir ein bisschen deine Unabhängigkeit rauben.“

Sie lächelt mich immer noch an.

„Vergiss es, ich hab keinerlei Interesse daran, dich an deiner Arbeit zu hindern oder dich zu beeinflussen. Auch glaub ich nicht, dass die da unten einen Schreiberling für so wichtig halten. Sei mir bitte nicht böse.“

„Na dann ist doch alles im Lack,“

Hat sie irgendwas Böses gesagt? Vielleicht wollte sie ja nur ein bisschen provozieren. Egal ich bin stinksauer und kipp den letzten Schluck Weißwein in mich rein. Smerg hat wie immer ein Gefühlt für die Situation:

„Schnaps?“

Sie verzichtet, doch ich brauch einen.

Über dieebene

tv-autor, journalist, filmemacher
Dieser Beitrag wurde unter Die Ebene abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.