Die Ebene 30


Ich hole das Bier aus dem Kühlschrank in der Küche. Die Russin und ihre Co-Pilotin sind mit einander beschäftigt. Hm, dachte eigentlich, sie seien in Ben verknallt. Das hier sieht nicht danach aus. Vielleicht sollte Ben ja als Samenspender herhalten.  Ist mir auch egal, wollte eh nur Bier holen.

„Hey, da ist ja der Doc!“ es ist Marias Stimme, die irgendwie erleichtert klingt, „hey, noch auf den Beinen? Lust auf einen kleinen Drink?“

„Wir haben hier noch aufgeräumt,“

Ludmilla klingt wie immer ein bisschen zu leise und gefährlich. Wenn ich die Lage richtige beurteile, möchte mich Maria in der Küche behalten und Ludmilla will mich loswerden.

„Ja ein kleiner Schluck zusammen, warum nicht?“

Ich will eh nicht dabei sein, wenn Smerg alles an die Wand fährt.

„Was steht denn auf der Getränkekarte?“

Kölsch““ zischt Ludmlla und verlässt die Küche.

„Kölsch? Das passt!“ ich reiche Maria eine Flasche, die sie gekonnt an der Tischkante entkorkt.

„So geht das schon seit Tagen. Ludmilla kann die Finger nicht von mir lassen. Ich meine sie ist eine attraktive Frau und ich würde gerne mal eine Nacht oder auch mehr mit ihr verbringen, doch finde ich, dass das hier nicht der richtige Ort ist. Außerdem ist sie meine Vorgesetzte und da geht das nun mal gar nicht.“

Marias Offenheit überrascht mich ein bisschen. Sie sieht es mir an.

„Na jetzt tu mal nicht so altmodisch. Sex ist gesund und verlängert das Leben.“

„Ja schön!“

Habe mich entschieden auf cool zu machen. Maria gefällt mir immer mehr. Frag mich, was mit Sylvia ist. War das alles nur gesponnen. An Tausendschönchen denke ich auch, doch ist das mehr akademisch. Ich vergleiche sie mit Maria. Die Italienerin hat keine Chance.

„Nun gaff mich nicht so an, wie ein Steak. Mir ist schon klar, dass ich kein Modell bin.“ Sie hat keine Ahnung. Jeder halbwegs taugliche Fotograf würde sie sofort krallen.

„Sorry, aber weißt du eigentlich, wie schön du bist?“ 

„Arschloch!“

Sie reißt mir den Sechserträger aus der Hand und greift mir mit rechts in den Schritt. Bevor ich mir klar darüber bin, ob mir das gefällt, ist ihr Gesicht direkt vor meinem, sie öffnet ganz leicht den Mund und dann kneift sie mit der rechten Hand ausgesprochen fest zu.

„Was glaubst du eigentlich wer du bist?“

Und schon ist sie weg. Was würde ich jetzt gerne Mädchen schlagen. Stattdessen wanke ich zur Toilette und suche nach bleibenden Schäden. Was war das denn? Sind die alle bescheuert? Breitbeinig erscheine ich mit dem angerissenen Sechserträger bei Smerg, der durstig vor meinem Display lungert und sich die Etiketten des Chateau Isidor anschaut.

„Hast du schon mal Rührei mit Muscheln probiert?“

Über dieebene

tv-autor, journalist, filmemacher
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